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Ein mächtiger Dom aus Fels und Eis

Der höchste Dom der Welt

ein Dom welcher ganz Aus Fels und Eis gebaut ist sucht man im Dorf vergebens, man muss schon ziemlich weit hinauf um am höchsten Punkt stehen zu können. Genau genommen muss man auf 4545 Meter hoch steigen. Geschenkt bekommt man den Gipfel allerdings nicht, denn die Luft ist dort oben ziemlich dünn. Es lohnt sich aber dennoch.

Das Wetter lässt eine Besteigung des Bernina-Gipfel über den Biancograt leider nicht zu, also entscheiden wir ganz spontan ins Wallis zu fahren. Es soll hoch hinaus gehen und doch etwas ähnlich schweres werden. Obwohl ein 4000er Gipfel dieses Jahr so gar nicht auf meinem Plan stand, entschlossen wir uns den Dom via Festigrat zu besteigen. Umso mehr freute ich mich auf ein spontanes 4000er Abenteuer.

 

Nach einer Nacht im Van ging es dann von Randa mit schwerem Rucksack ca. 1600 Höhenmeter zur Domhütte hinauf. Diese liegt an einer wirklich schönen Stelle, denn hier sieht man bereits zahlreiche bekannte und namhafte 4000er Gipfel wie Matterhorn und C0. Auf der Terrasse verbringen wir den Nachmittag bevor es Abendessen gibt. Die Hütte selbst ist ziemlich schön und neu renoviert. Es fehlt hier wirklich an nichts. 

 

Lange werden wir den Abend allerdings nicht genießen können, denn der Wecker klingelt uns bereits um 2:30 Uhr aus dem Bett. Richtig gut schlafen konnte ich auf dieser Höhe, welche immerhin fast 3000 Meter beträgt sowieso nicht und so krieche ich nur langsam aus dem Schlafsack. Beim Frühstück trödeln wir dann erneut etwas und alle anderen Seilschaften marschieren bereits im Scheine der Stirnlampen zum Anseilpunkt am Gletscher. 

Wir sind relativ zügig unterwegs und es dauert nicht lange bis wir die erste Seilschaft eingeholt hatten. Der Schnee am Gletscher ist hart Gefroren und die Spur eindeutig zu erkennen. Die Sonne steigt langsam auf und die Welt der 4000er erglüht im ersten Sonnenschein. Durch Fels steigen wir im II. UIAA Grad zum Festijoch auf. Von hier erkennt man den kompletten Grat, welcher an diesen Tag unser eigentliches Ziel darstellen sollte. Doch am Festijoch angekommen breche ich bei jedem Schritt durch die dünne Firndecke und stehe im knietiefen Pulverschnee. Ein paar Schritte steige ich in den Grat ein und entscheide relativ schnell, dass ein weitergehen nicht der richtige Weg ist, denn der lange Grat möchte komplett gespurt werden und das auf über 4000 Meter Höhe. 

Wir gehen den Normalweg weiter und umgehen die Serac-Zone in gebührenden Abstand. Überall liegen bereits Trümmer aus Eis und Schnee um uns herum. Der Gedanke an ein Einstürzen der Seracs direkt über mir, lässt meine Schritte deutlich schneller werden, denn der Gletscher ist stetig in Bewegung, welches man unmissverständlich hört. Wir gehen weiter, bis wir schließlich die 4000 Meter Marke erreicht haben. Vor uns liegt nun der Gipfelaufbau welcher immer Steiler gen Himmel ragt und von Gletscherspalten so breit wie Busse durchzogen ist. Zum Glück sind viele Spalten mit Schnee gefüllt und wir können einigermaßen Sicher die Himmelsleiter nach oben steigen. Den Gipfel mit dem wunderschönen Kreuz sieht man von hier aus nicht. Die dünne Luft lässt mich nach einigen Schritten innehalten und ich kann an nichts anderes mehr denken. Mein Kopf ist leer. 

 

Endlich erreiche ich den Grat welcher mich direkt zum Gipfel führen soll. Step by Step gehe ich die letzten Schritte zum höchsten Punkt der Schweiz. Was mich da erwartet lässt sich nur schwer in Worte fassen. Ein wunderschönes Gipfelkreuz lässt mich dankbar sein für diesen Moment der absoluten Stille. Wir sind alleine am Gipfel und die Welt der 4000er liegt uns zu Füßen. Kein Wind, fast keine Wolke und ein 360° Rundumblick. Sogar Mont Blanc, Eiger, Mönch, Jungfrau, Dufourspitze, Matterhorn, Breithorn, Allalinhorn mit Alphubel, Strahlhorn und Rimpfischhorn sind ziemlich schnell ausgemacht. - Vor einigen Jahren war ich bereits am Gipfel des Allalinhorn gewesen und nun blicke ich von oben herab auf viele Gipfel. Solch eine Aussicht bot sich mir bis jetzt noch nie. 

Ich könnte noch Stunden am Gipfel sitzen bleiben und meinen Blick in die Ferne schweifen lassen. 

Doch langsam müssen wir an den Abstieg denken, denn wir möchte noch bis Randa absteigen. Es warten noch fast 3200 Höhenmeter im Abstieg auf uns. 

 

Wir packen zusammen und steigen über gleichen Weg relativ schnell aufgrund des lockeren Pulverschnees hinab zur Domhütte. Dort brauchen wir allerdings erst einmal eine kleine Pause, denn wir sind ziemlich müde. Wir stärken uns und füllen den Wasserhaushalt auf und steigen die restlichen 1600 HM bis zu unserem Ausgangspunkt nach Randa ab. Dort fahren wir am gleichen Abend nach Deutschland zurück. Nach über 20 Stunden auf den Beinen falle ich nur noch müde und kaputt ins Bett. 

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