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Hochtour Annakogel und hinterer Seelenkogel 07. - 09.09.18

Den eigenen Weg finden

manchmal muss man einfach den vorgegebenen weg verlassen um ans ziel zu gelangen. Wir besteigen den Annakogel und den hinteren seelenkogel im Ötztal. eine auf diesem weg eher selten begangene Hochtour

Ich komme gerade vom Klettern im schön Arco am Gardasee. Es war warm und die Abkühlung im See nach einem anstrengenden Klettertag war genau das Richtige. Gutes Essen, Guter Wein und tolle Mehrseillängen lagen hinter mir. Auf dem Rückweg sollte es dann direkt in kältere Gefilde und andere Höhen gehen, nämlich auf Hochtour auf über 3000 Meter Höhe. In Obergurgl angekommen ließ das Wetter nichts gutes versprechen. Die Wolkenbasis ist recht niedrig und die einsetzende Nässe lässt mich meine Regenjacke gar nicht erst im Rucksack verstauen. Der Weg führt mich ganz unspektakulär durch das Skigebiet vorbei zur Schönwieshütte. Dort fühlt man sich bereits wie in andere Länder versetzt. Viel Gras, breite Täler, Nebel und Haflinger stehen auf der Weide. Ich bin alleine, die Stimmung ist Mystisch. Ich gehe stets den breiten Forstweg entlang bis ich schließlich mein Tagesziel, die Langtalereckhütte auf ca. 2480 Meter Höhe erreiche. Meine Partner stehen noch im Stau und ihre Ankunft wird sich um einige Stunden verzögern. Ich warte auf die Beiden, doch das Abendessen muss ich alleine genießen. Kurz vor Einbruch der Nacht kommen meine Partner dann doch noch in der Hütte und können sich vom kalten Wetter endlich aufwärmen. Wir beziehen unser Lager, denn am nächsten Tag soll es dann auf den Annakogel gehen. 

 

Annakogel

 

Der Wecker klingelt, doch braucht er mich nicht wecken denn ich bin bereits wach. Im Lichterschein unserer Stirnlampen ziehen wir uns an und verlassen das Lager in ganz leisen Schritten um niemanden zu wecken. Das Frühstück wartet bereits und so stärkten wir uns für den langen Aufstieg. Die Schuhe gebunden, den Rucksack gepackt und die Uhren kalibriert, tasten wir uns in die Nacht hinein. Schnell wird uns warm und wir müssen schon kurz nach überqueren des Flusses unsere Jacken ausziehen. Das Wetter scheint gut zu werden und es beginnt zu dämmern. Steil führt uns der Weg teils versichert hinauf in Richtung Hochwilde-Haus. Diese Schutzhütte ist leider dauerhaft geschlossen, Folgen des abnehmenden Permafrostes. Die Hütte ist deshalb vom Einstürzen bedroht und bietet keinen Schutz mehr. Von dort haben wir einen herrlichen Blick auf die einst mächtigen Gletscher der umliegenden Gipfel.  Schaut man genau hin, so erkennt man die ursprüngliche Höhe der Gletscher. Der Fels ist vom einstigen Gletscher glatt geschliffen und überall sind mächtige Moränenhügel zu erkennen. 

 

Wir müssen weiter und so führt uns der Weg immer in Richtung Gletscher des Annakogel. Wir entschieden uns über die Moränen am linken Rand relativ weit hoch zu steigen bevor wir den Gletscher betreten. Wir bilden eine Seilschaft und so queren wir den Gletscher bis wir schließlich am rechten Rand keine nennenswerten Spalten vor uns liegen haben. Der Schnee wir langsam weich und jeder Schritt ist tief. Wir entscheiden uns für den Direkten Weg zum Gipfel und steigen entlang des Felsrückens und über eine Steilstufe auf das Plateau vom Annakogel. Von da ging es unschwierig zum höchsten Punkt. Was für eine Sicht uns auf die Hochwilde und ihre Gletscherwelt eröffnete lässt sich nur schwer in Worte fassen. Die Wolken verleihen dem ganzen eine ganz eigene Stimmung. Alles um mich herum sieht aus wie aus einem Bilderbuch welches von Minute zu Minute anders gemalt ist. 

 

Wir steigen entlang des Nordgrates ab, bis wir schließlich wieder auf den Gletscher treffen. Dort führt uns der Weg wieder zurück zum Hochwilde-Haus und zurück zur Langtalereckhütte. Jetzt ist ersteinmal ausruhen angesagt, denn der Aufstieg war ganz schön Anstrengend und lange. Wir verbringen einen weiteren Abend und eine weitere Nacht auf der Hütte, bevor uns der Wecker am frühen Morgen erneut aus den Federn schmeißt. 

 

Das Stativ :-)

 

Kurz noch eine echt lustige Situation. Ein Seilschaftsmitglied wollte unbedingt in der Nacht die Sterne Fotografieren. Da die Nächte aber wirklich sehr kalt waren, entschied er sich die Bilder direkt aus dem Lager zu machen, bei offenem Fenster. Er positionierte das Stativ am Fenster im Lager und legte sich zu Bett. Soweit so gut. Ich musste wie so oft auf Hütten nachts auf Toilette. Licht wollte ich dabei nicht an machen also kroch ich so aus dem Schlafsack. Ich blieb allerdings an der Decke hängen und fiel über meinen Rucksack. Toll dachte ich, jetzt sind alle Wach. Plötzlich sprang eine dünne, weiße Gestalt aus dem Schlafsack in Richtung Fenster. Robert war das, im Glauben sein Stativ ist zum Fenster hinaus gestürzt. - Robert, dass war ich, Rooobert sagte ich. Doch kam mir nur entgegen: Das Stativ, mein Stativ. :-) Ich beruhigte Ihn und erklärte, dass sein Stativ nicht wie vermutet aus dem Fenster gefallen ist, sondern ich das Geräusch verursacht habe. Lange  brauchte er um zu verstehen was passiert ist. Aber einen Vorteil hat das ganze, es kamen wirklich tolle Bilder bei Nacht heraus. :-D Danke Robert und Jörg für die tollen Bilder.

Hinterer Seelenkogel

 

Die Augen sind ganz klein, es ist kalt und der klingelnde Wecker sagt mit, die Nacht ist schon wieder vorbei. Wie Automatisch verlassen wir das Lager und gehen zum Frühstück. Still ist es an diesem Morgen, denn alle sind wir noch ziemlich müde als wir ein paar Happen Brot zu uns nehmen. 

 

So langsam kommen wir in die Gänge und steigen zunächst auf dem gut markierten Steig in Richtung Seelenferner/Eiskögele. Auf einer Höhe von 2700 Metern wendet man sich dann nach Süden über die Böden von Vorderer Äckerlen. Der Steig ist mit Steinmännern und roter Farbe markiert und führt in Richtung Langtalerjoch. Landschaftlich glaubt man in Schottland zu sein. Nach ungefähr einem Kilometer hat man die Felsen, welche vom mittleren Seelenkogel herunterziehen hinter sich gelassen. Dort verlässt man den Steig und geht weglos auf eigens gewählten Weg das Tal hinauf. Wir entschieden uns direkt auf einer alten Randmoräne hoch zu steigen, bis wir schließlich auf den mittleren Arm des Seelenferners gelangen. Kalt ist es an diesem Morgen und der Firn auf dem Gletscher ist schön hart gefroren. Wir bilden die Seilschaft mit Bremsknoten und suchen uns den einfachsten Weg zur Steilstufe hinauf. Einige große Spalten umgehen wir. Die Steilstufe kann bei Blankeis etwas schwieriger sein und erfordert gute Steigtechnik. Hat man diese dann überwunden geht es dann über den flachen Rücken, welcher aber durchaus ernst zu nehmende Spalten aufweist in Richtung Gipfel. Der letzte Gipfelaufstieg hat es dann aber noch einmal richtig in sich und erfordert unsere ganze Konzentration bevor wir den Ausblick vom Gipfel genießen können. 

 

Am Gipfel angekommen warten bereits zwei andere Bergsteiger in kurzen Hosen und Trailrunning-Schuhen. Von Süden führt nämlich ein ganz normaler Weg von der Zwickauer Hütte unschwierig auf den Gipfel. 

 

Der Abstiegsweg ist wie Aufstiegsweg. 

Du weißt nicht was du für eine Hochtour alles brauchst? Dann findest du HIER eine Packliste. 

Dir fehlen noch einige Ausrüstungsgegenstände? Dann schau doch ganz einfach mal bei Bergzeit vorbei.


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