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Kletterurlaub im Sarcatal und in den Dolomiten 04.09. - 08.09.17

Mehrseillängen im Sarcatal und der Sella-Gruppe

Schnell nochmal das Wetter fürs Wochenende checken. - Was? Schnee? bis in tiefe Lagen? Oh nein dachte ich, wollten wir doch zum Klettern in die Dolomiten fahren.

Aber wir sind ja zum Glück flexibel was das Ziel betrifft.

Also kurze Hand das Wochenende noch abgewartet und alles Nötige ins Auto gepackt bevor ich am Sonntag Nachmittag mit meinem Seilpartner gen Süden fuhr. Den Van voller Tourenführer wurde es immer wärmer je weiter wir nach Italien kamen. Dort angekommen bezogen wir Quartier an einem See in der nähe von Sarche, welcher sich als der perfekte Ausgangspunkt für unsere Mehrseillängen erwies.

 

TAG 1

 

Am nächsten Morgen lachte die Sonne und es war angenehm warm. Wir steigen an den vor uns liegenden Wandfuss, dem Ausgangspunkt der Route "Il gran diedro". Einer Tour mit 10 Seillängen (VI- UIAA). Ich bin etwas aufgeregt, denn ich bin noch nie in diesem Schwierigkeitsgrad mit ziemlich viel Verschneidungen geklettert. Der Einstieg beginnt bereits mit einer der schwersten Seillängen dieser Tour. Mein Seilpartner macht den Anfang und steigt Souverän vor. Am ersten Standplatz angekommen sah man den weiteren Verlauf der Route. - Puh das sieht aber ganz schön glatt und schwer aus denke ich mir, fast nur Verschneidungen. Aber ich lerne schnell wie man technisch und ohne großen Kraftaufwand vorwärts kommt, dank der Tipps meines Seilpartners. Der für mich hohe Schwierigkeitsgrad schien nie enden zu wollen und so kam ich erschöpft aber glücklich am Ausstieg der Tour an. Der Ausblick war wunderschön und der Abstieg sollte uns über schmale Pfade und seilversicherte Klettersteige zurück zum Van führen. Die Flasche Wein und das leckere, selbst gekochte Essen direkt am See, haben wir uns definitiv verdient.

TAG 2:

 

Am nächsten Morgen, Kopfschmerzen und Muskelkater. Aber wozu gibt's denn Schmerzmittel ;-) Und so machten wir uns nach dem Frühstück zur nächsten Mehrseillänge auf, der "Moon Bears", 9 Seillängen (VI nach UIAA). Dieses mal sollte es noch etwas schwerer als am Tag vorher sein. Auf dem Weg zum Einstieg, direkt am Wasserwerk, sahen wir schon andere Kletterer in den Wänden. - Sollen wir angesichts der Massen wirklich einsteigen?  Ja, wir versuchen es einfach. Am Tag zuvor waren wir noch alleine in der Wand gewesen, dieses mal müssen wir vermutlich an den Standplätzen etwas warten. Die Tour sieht von unten recht schön und abwechslungsreich aus. Die ersten Seillängen war dann auch recht zügig geklettert. Nun ja, jetzt kommen die Schwierigkeiten. Rissklettern und Verschneidungen standen auf der Tagesordnung.

Die fünfte Seillänge im VI. Schwierigkeitsgrad liegt nun direkt vor mir. Mein Seilpartner steigt vor und ich sollte nachkommen. - Aber wo sind denn nur die ganzen Griffe und Tritte hin? Sind sie verschwunden? Nein, es war einfach nichts außer ein Riss vorhanden. Also Hände rein, Füße so hoch es geht und auf Reibung nach oben laufen.

Und plötzlich war es geschehen, ich merkte wie sich  meine Hände von allein öffneten und ich mich nicht mehr länger halten konnte. Ich rutschte weg und hing am Seil. Mir ist nicht nur die Kraft ausgegangen, sondern nun hing ich erneut am Anfang des Risses. Na toll, wie soll ich denn jetzt überhaupt noch einmal da hoch kommen?

 

Ich versuche so gut es geht noch einmal zu entspannen um den Riss erneut in Angriff zu nehmen. Mit Mühe und Not kam ich irgendwie zum nächsten Standplatz. Die nächsten Seillängen waren dann etwas einfacher aber dennoch anspruchsvoll. Die Aussicht war richtig gut und die Temperaturen waren um einiges wärmer als im kalten Deutschland. An der letzten Platte hatte ich dann doch noch einmal etwas zu kämpfen, bevor wir den Ausstieg der Tour erreicht haben.

 

Der Abstieg führte uns wieder auf Pfaden und einer Leiter zurück zum Parkplatz.

Am nächsten Tag brauche ich glaube ich eine Pause, um meinen kraftlosen und lang gezogenen Armen etwas Erholung zu gönnen. Am dritten Tag ging es dann am Nachmittag weiter zum Sella-Pass in den Dolomiten, denn das Wetter schien dort ganz gut zu werden.

Nachdem wir am Tag 3 zum Sella-Pass gefahren sind, verbrachten wir die Nacht bei bedeutend kälteren Temperaturen im Van. Aus dem Fenster sah man den Langkofel, Fünffingerspitze, die Sellatürme und die Nordseite der Marmolata.

 

TAG 4:

 

Die Nacht war frisch und es hat etwas geregnet. Der Blick aus dem Fenster war grau und feucht. Also legten wir uns erneut aufs Ohr um abzuwarten. Doch nach kurzer Zeit kam die Sonne etwas raus und trocknete die Wände merklich ab. Wir entschieden uns deshalb in die Südseite des Ciavazes einzusteigen. Gleich neben der kleinen Michelluzzi, welche ich mit Extrembergseiger Georg Bachler geklettert bin (Bericht HIER),  ist die "Rampenführe". Gleich gegenüber des Parkplatzes, etwas unterhalb des Sella-Jochs geht es erst durch Wald und später durch Geröll an die Südwand des Ciavazes. Am Einstieg angekommen, warten 10 Seillängen bis zum IV+ Grad auf uns. Die Tour ist eher mit sehr wenigen Hacken gesichert und die Standplätze sind gebohrt. Ein paar Schlingen, Friends und Klemmkeile schaden also nicht. An diesem Tag liegt der Einstieg noch im Schatten und es ist echt sehr frisch - wie ich finde. Meine Füße und die Finger sind ganz schön kalt. Wird zeit, dass die Sonne endlich mehr an Kraft gewinnt. Die Gesamte Tour ist reiner Genuss und keine einzige Stelle ist wirklich schwer. Die letzten drei Seillängen sind die leichtesten und man kann sie bei ausreichend langem Seil auch zusammenfassen. Am sog. Gamsband angekommen, wartet ein lohnender Blick und ein interessanter Abstieg auf uns.

Man folgt dem Gamsband über kleine Pfade, welche teilweise versichert sind. Stürzen ist hier absolutes Tabu. Man kommt dann an zwei Abseilstellen, welche man entweder abklettern oder eben abseilen kann. Wir entschieden uns fürs Abseilen. Danach einfach wieder durch den lichten Wald zurück zum Bus.

TAG 5:

 

Nach einem schönen Sonnenuntergang ging es zurück in den Van und wir machten uns Nudeln mit Pesto bevor wir uns hinlegten. Wir waren noch recht unentschlossen was wir am nächsten Tag klettern sollten und so machten wir es vom Wetter abhängig.

 

Das Wetter am nächsten morgen schien gut zu sein. Wir blicken zu den Sella-Türmen und wollten zur Abwechslung mal einen Gipfel haben. Also, die Idee auf den zweiten Sella-Turm zu klettern war geboren. Wir suchten uns die Route "Kasnapoff"  (9 Seillängen V+) aus um auf den zweiten Turm zu gelagen. Der Einstieg war klar und deutlich zu erkennen und so stiegen wir die erste Seillänge vor. Von da an war die Wegfindung alles andere als eindeutig. Viele verwirrende, rostige Hacken und Schlingen waren zu finden. Es war an diesem Tag noch kälter als am Tag vorher, weil die Route NW-Seitig  ausgerichtet ist. So langsam wird mir mulmig. Wir sind schon 1,5 Stunden in der Wand und sind gerade einmal die zweite Seillänge geklettert. Die Route hat es ganz schön in sich. Der Fels ist grau, kalt und rutschig, richtig abweisend. - Was mache ich hier eigentlich? frage ich mich mehrmals. Wir kommen zu einer längeren Querung. - Jetzt wenn ich abrutsche, dann pendle ich extrem weit nach rechts und hänge um einige Meter weiter unten. Also alle Kraft und Technik zusammen nehmen und die Querung hinter mich bringen. Geschafft kam ich am Standplatz an. Ich wusste aber, dass es nach oben  hin nur leichter werden würde und so kam neuer Mut und Hoffnung in mir auf. Gesagt geten, wir kamen langsam aber sicher Richtung Gipfel. Dort angekommen war das Wetter etwas unbeständig und der Wind hatte zugelegt. Schnell ins Gipfelbuch eintragen bevor es mittels Abseilen und Abklettern den Normalweg zurück zum Ausgangspunkt geht.

Das Wetter für die nächsten Tage war schlecht vorhergesagt und deshalb machten wir uns am Abend an den Heimweg.

MEIN FAZIT:

 

Eine schöne aber anstrengende Woche geht zu Ende. Ich kam teilweise wirklich an meine Grenzen. Das liegt aber weniger an den Schwierigkeitsgraden als an der extremen Ausgesetztheit und den Temperaturen. Ein großer Dank gilt meinem Seilpartner Felix, der mich immer wieder unterstützt und aufgebaut hat. Ebenso hat er die meisten Bilder geschossen und mir zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.

Topos:

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Kommentare: 1
  • #1

    Tamara (Donnerstag, 17 Mai 2018 11:31)

    Klingt nach einem tollen Kletterurlaub in Südtirol! Wir haben auch bereits einen für diesen Sommer geplant. Von unseren Lieblingshotels aus gehen einige schöne Touren ab.
    Liebe Grüße, Tamara
    https://www.dolcevitahotels.com/de/