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Solo auf die Höfats 2259m

Die Königin der Allgäuer Grasberge

die höfats zählt wohl zu den anspruchsvollen bergen der Allgäuer alpen. sie ist steil, sehr grasig und extrem ausgesetzt. jährlich stürzen dort zahlreiche Bergsteiger in den Tod oder müssen per Helikopter gerettet werden. jedoch gibt es auch weniger gefährliche zustiege welche sich ganz gut mit dem Mountainbike abkürzen lassen. einer führt über das wunderschöne oytal bei oberstdort.

Ich hatte Dienst im Klinikum und als ich am Morgen aus dem Fenster saß, standen die Sterne nicht besonders gut um die Höfats zu besteigen. Die Wolkenbasis hing tief und es sah recht feucht aus. Die Hoffnung das die Gipfel im Sonnenlicht erstrahlen bestätigte sich durch einen Blick in die Webcams rund um Oberstdort. Also ging ich zum Feierabend heim und packte den Rucksack und sattelte das Mountainbike. Die Kameras geladen und die Schuhe geschnürt fuhr ich nach Oberstdort, den Ausgangspunkt meiner Tour. 

 

Dort startete ich mit dem Rad vorbei an der Skiflugschanze ins wunderschöne Oytal. Es ist kühl, feucht und eine Ruhe umgab mich wie ich sie schon lange nicht mehr hatte. Weit kam ich jedoch nicht, denn die neue Kamera wollte getestet werden. Am Oytalhaus angekommen endet der Asphalt und der Weg führt mich unschwierig auf Schotter stetig das Tal entlang. Die Sonne kommt heraus und die Farben des Herbstes erstrahlen in wunderbarem Licht. Der Weg wird steiler und ich komme am Stuibenfall an. Einem Wasserfall welcher sich ca 25 Meter im freien Fall in die Tiefe stürzt. Erneut musste ich einige Bilder machen bevor ich mein nächstes Etappenziel erreiche, die Käseralpe. Jetzt heißt es Schuhe wechseln, den Wasserhaushalt auffüllen und zu Fuß weiter. Den Großen Wilden und Schneck im Rücken, blicke ich stets auf die Höfats, die Königin der Allgäuer Berge und ein Klassiker zugleich. Sie steht in voller Pracht mit ihren vier Gipfeln im Sonnenschein. Wird es trocken genug sein um einen Gipfelversuch wagen zu können? Wir werden sehen. 

 

Zunächst einmal geht es für mich unschwierig über die Alpwiesen in Richtung Älplesattel. Der Weg ist zwar feucht aber nicht rutschig. Relativ zügig komme ich voran und erreiche nach nich einmal einer Stunde den Älplesattel. Der weitere Weg ist schmal, steil und mit Gras und Fels durchsetzt. Etwas erstaunt bin ich dann schon, als ich sah wie trocken der Weg wirklich ist. Ich möchte es versuchen. 

Langsam und konzentriert mache ich mich auf den Weg. Lange dauert es nicht und ich muss meine Hände zu Hilfe nehmen um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Rechts und links geht es hunderte Meter in die Tiefe. Nach einiger Zeit frage ich mich wie weit es noch ist, denn das Gipfelkreuz sieht man erst recht spät. Ich beugte mich über den Grat und sah das Kreuz vom anderen Gipfel der Höfats, welches sich auf gleicher Höhe befindet. Ich habe es nicht mehr weit und die Schlüsselstelle liegt direkt vor mir. 

Die Schlüsselstelle ist eine Felsplatte welche man überwinden muss. Hinter mir geht es extrem ausgesetzt in die Tiefe. Die Hände direkt am Grat an der Platte, den Hintern in die Luft streckend steige ich auf Reibung über die Platte bis ich sie schließlich überwunden habe. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel. Aber leichtsinnig darf man dennoch nicht werden, denn man geht nun direkt am schmalen Grat und jeder Tritt will wohl überlegt werden. Stolpern über die eigenen Füße wäre hier ein sicheres Todesurteil. 

 

Am Gipfel angekommen kann ich es fast nicht glauben, denn einige Bloggerkollegen, welche weitaus schwierigere Dinge machen als ich, haben es nicht  über die Schlüsselstelle geschafft. Man sieht vom Gipfel der Höfats die Allgäuer Prominenz wie Hochvogel, Trettach, Mädelegabel, Hoher Ifen und Co. Aber auch der Säntis und sogar die Silvretta sind in der Ferne gut sichtbar. Ich genieße es alleine am Gipfel zu sein und versuche mich so gut es geht psychisch zu entspannen, denn der Aufstieg ist erst die halbe Miete. Laut Statistik passieren im Abstieg die meisten Unfälle. Konzentriert mache ich mich dann an den Abstieg. Vorsicht ist geboten, denn man kann aufgrund der Steilheit relativ einfach wegrutschen. Trittsicherheit und Anpassung der Steigtechnik will beherrscht werden. Sicher und Glücklich komme ich wieder am Älplesattel an und die größten Schwierigkeiten liegen hinter mir. Der Abstieg zur Käseralpe ist unschwierig und relativ einfach. Von da aus geht es dann mit dem Mountainbike zurück nach Oberstdort. 

Achtung: Die Höfats ist keinesfalls was für normale Bergwanderer. Sie erfordert ein korrektes Einschätzen der Bedingungen sowie absolute Trittsicherheit, beherrschen verschiedener Steigtechniken sowie absolute Schwindelfreiheit. 


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