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Ein Traum in Weiß - alleine auf Skihochtour

Drei Tage Sonne, Einsamkeit und unverspurte Hänge inmitten einer einzigartigen Landschaft

Drei tage sonne, Einsamkeit und unverspurte Pulverhänge inmitten einer einzigartigen Hochgebirgslandschaft. drei tage lang erkunden wir die stubaier alpen um die Amberger hütte. Drei Tage auf uns gestellt, voller Abenteuer und Einklang mit der Natur.

Unsere Reise beginnt bereits am Donnerstagabend, denn wir wollen die kommenden Tage so sinnvoll und auch stressfrei wie möglich nutzen. Wir quartierten uns für eine Nacht in einer Pension im Tal ein, bevor wir nach einem ausgiebigen Frühstück zu unserem Ausgangspunkt nach Gries im Ötztal weiter fahren. Dort stellen wir unser Auto am großen kostenfreien Parkplatz am Ende des Ortes ab. Das Wetter scheint zunächst nicht ganz so gut zu sein wie erhofft aber im Tagesverlauf wird es hoffentlich besser. 

 

TAG 1

 

Die schweren Rücksäcke am Rücken steigen wir ins bitter kalte Sulztal hinein bis der Wald lichter wird und wir schließlich an der Sulztalalm ankommen. Der Schnee glitzert und knirscht.

 

Die Alm hat bereits jetzt schon geöffnet und wir werden diese im laufe der  kommenden Tage noch öfters für einen Apfelstrudel ansteuern, bevor wir dann wieder zur Amberger Hütte aufsteigen.

 

Ab hier sind wir komplett alleine und die Lawinensituation muss richtig eingeschätzt werden, denn auf dem weiteren Weg zur Amberger Hütte drohen von den linksseitigen Hängen Lawinenabgänge. - Zum Glück sind bei uns die meisten Lawinen bereits abgegangen. Das Wetter wird immer besser und die Sonne wärmt langsam unsere ausgekühlten Körper, denn wir haben zweistellige Minusgrade. 

Gerade als wir den Lawinenkegel überqueren wollen, kommt uns ein Pistenbully entgegen. Der kommt uns gerade recht, denn er ebnet uns den Weg über die festen Bollen der abgegangenen Lawinen. Wir kommen schließlich an der Amberger Hütte an und können nun den Winterraum in Augenschein nehmen. Er ist extrem gut ausgestattet und besitzt sogar Stromheizung und eine Elektroherdplatte sowie einen Holzofen. Einzig und alleine die Trockentoilette müsste dringend einmal geleert werden.  

 

Vor uns liegen perfekt geneigte Hänge und um uns herum glitzert feinster Pulverschnee im schönsten Sonnenlicht. So still und einladend die Landschaft auch aussieht, sollte man mit Köpfchen an die erste Tour heran gehen. Aktuell haben wir Lawinenwarnstufe drei und die Hänge welche sich rechts und links der Ebene anreihen sind stellenweise an die 40 Grad steil. Deshalb entscheiden wir uns den Weg zum Schrankogel zu erkunden und anzuspuren, denn die Hänge sind auch bei dieser Warnstufe vertretbar. Es geht immer Taleinwärts bis zur markanten Endmoräne kurz vor dem Ende der Sulz. Von hier steigen wir in Richtung Osten ins Schwarzenbergtal hinein. Die Windzeichen sind hier richtig zu deuten und die Wahl der Spur will gut überlegt sein. Wir steigen die erste Steilstufe hinauf bis wir den weiteren Weg besser erkunden können. Es ist schon später Nachmittag und wir wollen nun endlich unsere erste Spur im Pulverschnee ziehen. Gesagt getan und wir kommen strahlend über das ganze Gesicht wieder an der Ebene an. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, entweder wir legen die Felle erneut an oder wir stellen die Bindung auf Aufstieg und versuchen es im Langlaufschritt ohne Fell. Erstaunt darüber wie einfach wir mit Option zwei vorwärts kommen, treffen wir an der Amberger Hütte ein. Wir machen es uns gemütlich, heizen ein, kochen, trinken Tee mit Rum und studieren die Karten im Kerzenschein bevor wir uns ins Bett legen.

Tag 2

 

Am zweiten Tag sollte es dann auf dem gleichen Weg vom Vortag zum Gipfel des Schrankogel gehen. Er ist 3327 Meter hoch und ist neben dem Zuckerhütl der zweithöchste Gipfel der Stubaier Alpen. Wir folgen der am Tag zuvor gelegten Spur und steigen stetig bergauf, bis wir an einer kleinen Senke angelangt sind. Von dort halten wir uns eher an den Sommerweg und steigen auf eine Seitenmoräne zu unserer Linken auf. Von nun an geht es teilweise zu Fuß immer am höchsten Punkt entlang, bis wir auf ungefähr 3000 Meter Höhe den Einstieg in den Ostgrat welcher zum Gipfel führt erreichen. Vor uns liegen nun 300 Höhenmeter Felsgrat welchen wir zu Fuß überwinden müssen. Doch wir entscheiden uns gar nicht erst einzusteigen, denn es liegt viel zu viel Schnee. Wir  Rasten und genießen die Sonne und den Blick auf die Gletscher und umliegende Berge.

 

Es ist still um uns und die Natur strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus, der Schnee glitzert und der Himmel erstrahlt in tiefem Blau. Die Hänge locken aber gewaltig und wir freuen uns wahnsinnig auf die Abfahrt. Schnell machen wir uns bereit und es geht zunächst hinab auf den Gletscher. Er wird enger und wir stehen an einer Steilstufe. Ich ziehe die erste Spur in wunderschönem Pulverschnee und Schwung für Schwung wird das Grinsen in meinem Gesicht immer größer. Es ist wahrhaftig Genuss pur. Voller Adrenalin erreichen wir wieder die Ebene bis wir schließlich zufrieden im Winterraum ankommen. 

 

Aber bevor wir es uns so richtig gemütlich machen, fahren wir noch ein paar hundert Höhenmeter ins Tal um an der Sulztalalm einen Apfelstrudel zu essen. Als wir dann allerdings wieder zu unserem Basecamp aufgestiegen sind, haben wir einige Mitbewohner bekommen. Wir unterhalten uns nett, kochen gemeinsam und tauschen uns aus bevor wir das Licht ausschalten. Am nächsten Tag geht jeder seinen eigenen Weg. - Gute Nacht.


Tag 3

 

Früh am Morgen als wir aus dem Bett kriechen, steht bereits kochendes Wasser auf dem Herd und wir können in Ruhe frühstücken, denn die anderen sind alle bereits unterwegs. Für uns soll es heute auf die Kuhscheibe gehen. Sie ist einer der bekanntesten Gipfel im Bereich der Amberger Hütte. Spuren müssen wir an diesen Tag nur wenig, denn am Tag zuvor waren bereits zwei Skitourengeher am Gipfel. Gerade im etwas heiklen Steilhang oberhalb der Sulz sollte man die aktuelle Gefahrensituation sicher einschätzen können. Die Hänge sind fast 40 Grad steil und die Form des Geländes sollte beachtet werden. Seit Samstag ist Lawinenwarnstufe 2 Vorherrschend. 

Wir steigen auf ins Roßkar und über die Wannenböden in eher westlicher Richtung bis auf 2700 Meter Höhe. Es ist bitter kalt da man die ganze Zeit im Schatten unterwegs ist. Zweistellige Minusgrade und Wind sind auch heute wieder ganz normal. Das Gelände wird nun etwas flacher, bis wir das Kar hinter einem breit auslaufenden Felsgrat erreichen. Hinter diesem Grat steigen wir nun in ein weiteres Kar und kommen dann auf den Roßkarferner. Eine letzte Steilstufe müssen wir überwinden, bis wir nach einer kurzen Engstelle auf dem sanft geneigten Gletscher stehen. Von hier sehen wir die Kuhscheibe vor uns und halten direkt auf die Scharte rechts des Gipfelkreuzes zu. Von hier geht es die letzten 50 Höhenmeter nur noch zu Fuß weiter. Die Ski zurück gelassen, kraxeln wir im verschneiten Fels die letzten Meter zum Gipfel. 

 

Der anstrengende Aufstieg bis zum Kreuz lohnt sich aber definitiv, denn der Blick öffnet sich in fast alle Richtungen. Endlich spüren wir die wärmenden Sonnenstrahlen in unseren Gesichtern und meine Finger und Zehen scheinen langsam wieder warm zu werden. Der wärmende Tee tut sein übriges. Doch lange bleiche ich nicht am Gipfel, denn die Abfahrt wartet schon auf uns. Die hänge haben auch hier wieder eine optimale Neigung und die Qualität des Schnees ist im Schatten besonders gut. Richtig fluffiger Pulverschnee wartet auf uns. Einzeln fahren wir jeden Hang hinunter, bis wir am letzten steilen Hang stehen. Mulmig ist uns schon etwas zumute, denn hier ist der Schnee leider nicht mehr so schön wie erhofft und die Hänge sind ziemlich steil. Aber es ging auch hier alles gut. An der Sulz wieder angekommen fällt ein richtig großer Sein von mir, denn wir haben die letzten drei Tage unbeschadet überstanden. Kein Sturz, keine Verletzung, kein Sonnenbrand und vor allem kein Lawinenunglück. 

 

Diese drei wundervollen Tage werden mir definitiv noch lange in Erinnerung bleiben. 





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