· 

Großer Daumen 2280m am 27.01.18

Skitour auf den Großen Daumen 2280m

Das Wochenende steht vor der Tür und das Wetter soll am Samstag richtig gut werden, der Lawinenlagebericht stimmt ebenfalls und so entschieden wir uns für eine ausgedehnte Skitour. Aber welcher Gipfel soll es denn nun werden? Südseitig wäre super da dort die Chancen auf Firn am besten sind. Da passte der Große Daumen natürlich ganz gut.

 

Früh am morgen ging es dann mit dem Auto los nach Hinterstein, denn die Anreise ist nicht ganz so einfach. Von Hinterstein aus fährt der Bus recht spät zum Gibelhaus. (Man sollte rechtzeitig am Parkplatz sein und den ersten Bus erwischen, sonst wird es recht spät für den Aufstieg)

Frisch war es als wir am Gibelhaus ankamen. Schnell waren die Ski angeschnallt und wir stiegen schnellen Schrittes auf dem Alpweg ins Obertal bis zum Engeratsgundhof auf. Lange dauerte es allerdings nicht, bis ich das erste Kleidungsstück ablegen musste. Weiter ging es über perfekt geneigte, waldfreie Südhänge über die Käseralpe bis zur Gündleshütte empor. Die Sonne schien bereits hier recht kräftig und der Schnee blendete stark. Also Sonnenbrille rauskramen, einen Schluck trinken und weiter gehts.

 

Schritt für Schritt stiegen wir in Spitzkehren stetig bergauf. Kein Lüftchen ging und die Sonne brannte auf uns herab, der Schweiß fing langsam an Überhand zu nehmen und der Schnee wurde immer weicher. Den Felsriegel umgehen wir links und folgen einer Rinne welche auf einem kleinen Hügel endet. Die Aussicht auf die wilden, schneebedeckten Flanken der umliegenden Berge fesseln meinen Blick und ich hänge meinen Gedanken mehr und mehr nach. So langsam erkenne ich den Gipfel des Großen Daumens, aber Vorsicht, es täuscht, denn der Aufstieg zieht sich noch ein ganzes Stück. Bereits hier wechseln ständig die Schneeverhältnisse innerhalb weniger Meter. Teilweiße Pulver, dann Harsch und wieder Firn. Der Schnee ist kalt und nass und klebt zu meinem Nachteil an dem Fell, welches ein zurückrutschen verhindern soll fest. Es fühlt sich an als schleife ich bei jedem Schritt einen Betonklotz unter meinen Füßen nach oben. Ich muss fest in den Schnee treten um den Klotz loszuwerden. Ich falle zurück und jeder Schritt kostet mich wahnsinnig viel Kraft.

 

Nach einigen Höhenmetern änderten sich die Verhältnisse erneut und der Schnee klebte nicht mehr ganz so stark an meinen Skiern. Die Schritte fallen mir leichter und ich konnte meinen Rückstand aufholen. Der Gipfel schien nun nicht mehr weit und ich merke wie meine Kräfte am schwinden sind. Ich kämpfe immer mehr bis ich schließlich den Gipfel nach über 1250 Höhenmeter erreiche.

 

Alle Anstrengung ist nun vergessen, denn der Ausblick entschädigt für alles. Zugspitze, Hochvogel, Höfats, Ifen und Co sind schnell ausfindig gemacht und in der Ebene sind zahlreiche Heißluftballons in der Luft. Die Berge sind in ein weißes Kleid aus Schnee gehüllt und die Sonne lässt sie in ihrer ganzen Pracht und Schönheit strahlen.

Wir stärkten uns mit Brotzeit und einem wärmenden Tee bevor wir uns langsam auf die Abfahrt einstellten.

 

Gesagt, getan. Es geht los.

 

Besster Firn im Gipfelhang zauberte allen sofort ein fettes Grinsen ins Gesicht und die Abfahrt machte richtig Laune. Doch lange sollte der Spaß nicht dauern. Schlagartig änderten sich die Bedingungen fast im Metertackt. Erst Firn, dann Pulver, Harsch und wieder durcheinander. Sobald sich die Hangexposition änderte, fand man auch andere Bedingungen vor. Die Regen geprägten Rillen gaben ihr übriges. Es war also nicht gerade einfach, sich so schnell auf wechselnde Verhältnisse einzustellen. Aber mit einigen Pausen machte es trotzdem Spaß ins Tal zu fahren, gerade deshalb, weil weiter unten im Schatten fast pistenähnliche Verhältnisse herrschten.

 

Am Gibelhaus hatten wir noch genügend Zeit für ein kühles Getränk bevor uns der Bus wieder nach Hinterstein brachte.

 

VERHÄLTNISSE:

- Lawinenwarnstufe 2

- Problem oberhalb 2000m Triebschnee

- Problem unterhalt 2200m Gleitschnee

- Wechselnde Bedingungen, abhängig der genauen Exposition

- Bruchharsch, Pulver, Firn

- Sonnenschein

 

AUSRÜSTUNG:

- Lawinenverschüttetensuchgerät

- Sonde

- Schaufel

- Harscheisen

- Je nach Bedingung Steigeisen und Pickel

- ggf. Lawinenrucksack

 

VORBEREITUNG:

- Wettercheck

- Lawinenlagebericht

- Tourenplanung

- Busfahrplan

- Ausrüstung in Ordnung und Einsatzbereit

- Gute Kondition und gutes Können in der Abfahrt

 

MEIN FAZIT:

Lange, aussichtsreiche und lohnende, mittelschwere Skitour mit Anreise per Bus. Den ersten Bus sollte man nicht verpassen und die Kräfte wollen gut eingeteilt werden. Anspruchsvolle Abfahrt bei wechselnden Schneeverhältnissen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Jürgen Bleyer (Mittwoch, 21 Februar 2018 22:32)

    Jedes Jahr findet im März das Daumen Skitouren Rennen der DAV Sektion Illertissen statt.