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Mount Toubkal 4167m 07.01. - 14.01.2017

Highest Mountain of High Atlas

Ein Bericht über eine reise in ein fremdes land mit viel Kultur und hohen bergen, leckeres essen und kalten nächten.

Ich frage mich seit längerem wie es wohl ist auf Expedition zu sein und wie so ein Abenteuer organisiert und durgeführt wird. Also entschlossen wir uns kurzer Hand einfach selbst eine Reise mit Expeditionscharakter zu planen. Wir suchten uns ein etwas kleineres Ziel aus und entschlossen uns für den höchsten Berg des Hohen Atlas, den Mount Toubkal oder auch Jebel Toubkal genannt. Er ist 4167 Meter hoch und steht in Marokko. Er ist nicht nur der höchste Berg eines Gebirges, sondern gleichzeitig der höchste Berg von Marokko und sogar von ganz Nordafrika. - Wie es wohl sein mag, wenn weit und breit nichts anderes höher ist als man selbst? Ich wollte das einfach unbedingt herausfinden.

 

Also organisierten wir im Vorfeld die Flüge und die Unterkünfte, sowie alle benötigten Reiseunterlagen und Ausrüstungsgegenstände bevor wir uns zum Flughafen aufmachten. Der Winter hatte nun auch in weiten Teilen Deutschlands Einzug gehalten und es war wirklich kalt geworden. Unsere Reise startete am Flughafen Frankfurt Hahn. Als wir am Rollfeld standen, musste unser Flugzeug ersteinmal enteist werden, bevor wir den Boden unter den Füßen verloren.  Der Start verlief problemlos und so genossen wir die Aussicht aus dem Fenster bevor wir am späten Nachmittag in Marrakech landeten. Da hieß es dann bei weit über 20 Grad erstmal ausziehen was auszuziehen ging. :-)

Das bestellte Taxi wartete auch schon auf uns, das uns zu unserem Riad brachte, welches richtig schön und gemütlich war.

 

Jetzt wollten wir aber auch die Stadt der 1000 Nächte erkunden und streiften durch die Medina, die Altstadt von Marrakesch. Die einheimischen Menschen tragen traditionelle Kleidung, überall duftete es nach Gewürzen und Essen, die Schmiede welche das Metall per Hand verzierten gaben mit ihren Hämmern den Rhythmus an. Die Gassen waren schmal und ein Ladengeschäft reihte sich an das andere, das rohe Fleisch hängte bei über 20 Grad Celsius frei herum und die Motorräder brausten an einem vorbei als gäbe es keine Regeln. - Das wichtigste an den Fortbewegungsmitteln war die Hupe :-) ohne diese kommt vermutlich der Verkehr zum Erliegen. Ich hatte einen Kulturschock und wusste gar nicht mehr wo ich überhaupt hin schauen sollte, so vieles gab es zu Entdecken.

Nach einer Stärkung suchten wir uns den Weg durch die verwinkelten Gassen und Straßen zurück ins Riad. - Zwischenzeitlich hatte ich wirklich das Gefühl das wir uns total verlaufen haben, denn alles schaut von außen ähnlich aus und die Gassen sind wirklich sehr verwinkelt. Aber welch eine Freude als wir dann trotzdem vor der Türe unseres Riads Standen. Müde gingen wir zu Bett

 

Der Muezzin-Ruf weckte uns am nächsten Morgen. - Was für ein tolles Schauspiel das ganze doch war, man hatte das Gefühl sie rufen um die Wette und jeder wollte den anderen übertrumpfen.

An diesem Tag wollten wir uns dann den Jardin Majorelle mit seinem bekannten blauen Haus von Yves Saint Laurent anschauen. Ein wirklich schöner und gepflegter Garten mit extrem großen Kakteen.

 

Gegen Mittag liefen wir zurück ins Riad und wir schnappten unser Gepäck. Wir verließen die Hauptstadt und machten uns mit dem Taxi Richtung Hohen Atlas auf, welcher schon von weitem zu erkennen war. Der Weg nach Imlil war sehr abwechslungsreich und es ging vorbei an blühenden Kakteen, Palmen und Olivenbäumen. Dort angekommen verbrachten wir eine Nacht im "Riad Atlas Toubkal" auf 1740m um uns etwas zu Akklimatisieren. Abends genossen wir Essen aus einer sogenannte "Tajine",  ein Tongefäß mit ganz spezieller Form in der man Eintöpfe, Fleisch und Gemüse schonend zubereiten kann. Der Geschmack ist einfach unbeschreiblich und wenn man in Marokko ist, so kann ich jedem nur empfehlen einen Tajine zu probieren.

Die Nacht war dann wirklich sehr kalt und ich war kurz davor mir meinen Expeditionsschlafsack zu suchen weil ich vor Kälte kaum schlafen konnte. - Wie sollte das dann nur auf über 3000 Meter werden?

Am nächsten Morgen kamen dann auch schon unsere "Mulis" welche das ganze Gepäck zu unserem Refuge de Mouflon auf etwa 3207m tragen sollten. Wir vier Expeditionsteilnehmer machten uns zu Fuß auf den Weg und so stiegen wir durch die Stadt über Gassen, Treppen und kleine Pfade nach "Sidi Chamharouch", dem letzten Dorf auf dem Weg zum Mount Toubkal. Die Einheimischen warteten schon auf uns und wir tranken den landestypischen Tee aus den silbernen Kannen. - Kalt war es geworden im Schatten der Berge. Nach der Rast ging es auf vereisten Wegen weiter und so langsam wärmte die Sonne unser kaltes Gemüt wieder auf.

Die Landschaft veränderte sich Zunehmens, kaum noch Gras war zu sehen, die Felsen sind Rau und immer mehr mit Schnee bedeckt. Wasser gab es keines mehr. Am Wegesrand waren kleine Hütten aus Stein und der angebotene frisch gepresste Orangensaft schien sehr verlockend. Aber wie werden die Gläser denn gereinigt so ganz ohne Wasser hoch oben in den Bergen? - Hm, gute Frage. Das total verklebte und verkrustete Glas war wohl die Antwort auf diese Frage. Aber lecker war der Orangensagt trotzdem :-)

Am Nachmittag am Refuge angekommen genossen wir natürlich wieder bei Tee und Plätzchen die Sonne bevor es dann zum Abendessen wieder einen Tajine gab. Das Lager war nicht beheizt und wir waren froh unsere Expeditionsschlafsäcke dabei zu haben, denn die Temperatur lag bei knapp unter 5 Grad im Lager. :-) Eigentlich gab es nur einen einzigen beheizten Raum, den Speiseraum. Wir gingen relativ zeitig ins Bett, da am nächsten Morgen der Gipfelaufstieg auf dem Programm stand.

 

Recht früh klingelte dann auch schon der Wecker, das Wetter scheint gut zu werden und der Wind war auch noch erträglich, noch. :-)

Aber ohne Stärkung wollten wir dann auch nicht los laufen und so gingen wir in den kalten Frühstücksraum und staunten nicht schlecht, als wir ein FRÜHSTÜCKSEI auf über 3100 Meter vorfanden. - Das gibt es nicht einmal in den Alpen :-)

 

Eigentlich planten wir ja den Südwestgrat auf den Toubkal aber der tiefe Schnee und der vorhergesagte Wind für den Gipfeltag machte es uns leider nicht möglich über den Grat zu gehen. Deshalb legten wir unsere Eisen an und entschieden uns für den N0rmalweg welcher gleich hinter dem Refuge recht steil beginnt. Die Bedingungen hätten wirklich nicht besser sein können und so kamen wir auf dem Firn recht zügig im Zickzack voran. Lange dauerte es allerdings nicht bis der vorhergesagte Wind einsetzte und die Temperaturen um einiges in den Keller trieb. - Froh war ich um die Jacke von Directalpine, denn diese ist wirklich wahnsinnig durchdacht und lässt sich perfekt auf jede Bedingung einstellen (Einen Testbericht dazu kannst du HIER lesen.)

 

Plötzlich bemerkte ich, dass unsere Gruppe recht weit auseinander gezogen war und wartete bei weit unter minus 15 Grad auf die anderen und wir beratschlagten uns. Jeder muss sein eigenes Tempo gehen und jeder muss selbstständig entscheiden können ob er weiter geht oder nicht. Ich entschied mich fürs weitergehen.

Unser Motto hieß "STEP BY STEP" *sing* , "UHHH BABY" kam sofort die Antwort von hinten. :-) Die Stimmung war ausgelassen und gut, wir hatten wirklich Spaß trotz der großen Kälte.

Wir kamen dann an einer Senke an bevor es dann wieder steil in Serpentinen nach oben ging in eine Scharte zwischen Hauptgipfel und dem Westgipfel. Von da an konnte man bereits einen gigantischen Ausblick genießen. Lange konnte ich mich da aber nicht aufhalten, denn der Wind fegte mir mit 75 km/h um die Ohren und es war durch den Windchill -21 °C.

 

Der Gipfel schien in greifbarer Nähe aber der Weg führte mich noch einmal um den Berg bevor ich am Gipfelplateau ankam. In wenigen Schritten war ich also am höchsten Punkt von Nordafrika angelangt. Was für ein atemberaubender Ausblick von 4167 Metern.

 

KLEINES EXPERIMENT AUF 4167 METER

 

Auf 4000 Meter über dem Meeresspiegel stehen dem Körper nur noch 2/3 des Sauerstoffgehaltes zur Verfügung. Aus diesem Grunde interessiert es mich natürlich schon wie mein Puls und meine Sauerstoffsättigung auf dieser Höhe wohl sein werden. Ganz am Anfang packte ich mein Fingerpulsoxymeter ein und hatte dies natürlich auch am Gipfel dabei. Ein Wunder das ich bei dem Ausblick und der Kälte überhaupt noch daran gedacht habe. Also schnell das Ding an den Zeigefinger gesteckt und gewartet. Meine Sättigung liegt bei 89 % und mein Puls bei über 90 Schlägen in der Minute. Also alles ganz normal. Natürlich interessierte es auch andere Gipfelaspiranten und so machte das Oxymeter schnell die Runde.

 

Mittlerweile kam dann auch das zweite Mitglied aus meiner Gruppe am Gipfel an, während ich von den anderen beiden nur noch einen sah. - Was war mit dem letzten Mitglied aus meiner Gruppe passiert? Ist er umgedreht weil es ihm zu kalt war? Ich lief etwas zurück um nach dem Rechten zu sehen und stieß schließlich auf einen der beiden. Er erzählte mir, dass das vierte Mitglied unserer Expedition umgedreht sei, da es ihm zu kalt war und er Angst vor Erfrierungen hatte. Ich begleitete meinen Partner auf den Gipfel und wir machten viele tolle Fotos. Ich war über 40 Minuten am Gipfel bevor wir uns großen Schrittes wieder in Richtung Refuge aufmachten. Der Abstieg war dann richtig ungemütlich, da der lose Schnee uns ins Gesicht peitschte. Wir mussten Ausfallschritte machen um nicht zu stürzen, denn der Wind war unheimlich stark gewesen. Als wir an der Schutzhütte ankamen wartete bereits der warme Tee und Gebäck auf uns.

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich auf den Ras Ouanoukrim steigen mit 4089 m Höhe, aber auch für diesen Tag war die Wettervorhersage nicht gut gewesen. Der Wind sollte noch stärker und die Temperaturen noch niedriger sein. Aus diesem Grund entschlossen wir uns dazu am nächsten Morgen wieder nach Imlil abzusteigen und nach Marrakech zurück zu fahren.

Als wir in der Hauptstadt angekommen sind organisierten wir uns eine Unterkunft in der Medina. Wir entschieden uns für ein etwas luxuriöseres Riad, da wir dieses recht günstig bekommen haben. Es lag direkt neben dem Königspalast. Wir checkten ein und genossen ersteinmal nach dem Tee eine heiße Dusche. - Wie gut das doch tat. Die dicken Schlafsäcke legten wir zum Trocknen im Zimmer aus und danach wollten wir die Stadt erkunden und etwas landestypisches Essen. Wie schön die Souks und der Djemaa el Fna (Marktplatz innerhalb der Altstadt) bei Nacht sind, überall duftet es nach Essen, orientalische Musik klingt aus allen Gassen, Gaukler und Künstler zeigen ihre Show und die Lichter sind wie aus Tausend und einer Nacht. Am Abend zurück im Riad rauchten wir auf der Dachterrasse noch eine Shisha bevor wir in unsere Zimmer gingen wo eine sehr unerwartete Überraschung auf uns wartete. :-) Die Angestellten des Riads hatten wohl mitbekommen, dass es in den Bergen recht kalt gewesen ist. Deshalb dachten sie bestimmt, dass wir recht Durchgefroren sind. Deshalb lag unter unserer Decke eine WÄRMFLASCHE. :-) - Die kam mir genau richtig.

 

Nach einer erholsamen Nacht genossen wir auf der Dachterrasse bei warmen Temperaturen und Sonne ein sehr gutes Frühstück mit marokkanischem Gebäck. Abends sollte es dann in den neuen Stadtteil gehen. Von dem waren wir aber echt enttäuscht. Die Medina ist doch um ein vielfaches schöner und traditioneller. Also schnell wieder zurück ins Riad.

Am nächsten Morgen hieß es dann früh aufstehen, denn wir hatten einen Ausflug gebucht, welcher uns über den höchsten Pass des Hohen Atlas bis hin zum Tor zur Wüste führen sollte. Nämlich nach Ait-Ben-Haddou. Diese befestigte Stadt gehört seit dem Jahr 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe und diente als Kulisse für über 20 Hollywood-Produktionen. Unter anderem für: James Bond 007 - Der Hauch des Todes, Gladiator, Die Mumie, Game of Thrones oder Die Mumie. Der Weg dorthin war allerdings sehr lange und anstrengend, da es viel zu eng im Bus war. Diesen Ausflug sollte man wirklich als Mehrtagestour machen  mit mindestens einer Übernachtung in der Wüste. Ich glaube das wäre dann lohnender als die meiste Zeit eigentlich nur im Bus zu sitzen. Eine schöne Kulisse ist es dennoch.

 

An unserem letzten Tag statteten wir dem Palast Behia noch einen Besuch ab, bevor es dann wieder zurück nach Deutschland ging. 

 

Mein Fazit:

 

Der Hohe Atlas ist definitiv eine Reise wert. Es stehen einige 4000er Gipfel dort und die Landschaft ist wirklich sehr sehr schön und ganz anders als in den Alpen. Ebenso trifft man dort auf ein sehr kulturelles Volk welche mit einfachsten Dingen zurechtkommen. Wer in Marrakesch eine Nacht verbringen möchte, sollte unbedingt in ein sogenanntes Riad in der Altstadt gehen, denn jedes Riad ist anders und auf seine eigene Art und Weiße schön und zudem Zentral gelegen. Mit dem Essen in der Medina hatten wir auch keinerlei Probleme, dennoch sollte man darauf achten, dass man nichts Rohes zu sich  nimmt. Am besten dort essen, wo auch Einheimische essen gehen.

Dennoch wird man auch auf Armut, Schmutz und Lärm treffen. Als Frau hat man es in dem muslimisch geprägten Land auch nicht ganz einfach, denn Frauen tragen ihr Gepäck dort selbst aufs Zimmer.

 

Ich war definitiv nicht das letzte Mal im Hohen Atlas gewesen.

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